Krankheitsstadien und Symptome der Alzheimerkrankheit
Der Verlauf der Krankheit unterscheidet sich von Fall zu Fall. Das Alter, die Lebensumstände und der gesundheitliche Allgemeinzustand spielen eine grosse Rolle. Im Durchschnitt entwickelt sich Alzheimer über zehn Jahre.
Am Anfang braucht der Betroffene nur punktuelle Hilfe. Erst bereiten ihm kompliziertere Tätigkeiten Mühe, zum Beispiel die Abwicklung der monatlichen Zahlungen oder das Organisieren einer Reise. Nach und nach wird auch Alltägliches zum Problem, zum Beispiel beim Einkaufen oder bei der Morgentoilette. Das Zeitempfinden geht verloren, und selbst im eigenen Wohnquartier wird die Orientierung unmöglich. Der Patient braucht Betreuung und Begleitung Tag und Nacht.
Im fortgeschrittenen Stadium sind rund um die Uhr Betreuung und Aufsicht erforderlich. Der Patient kann weder alleine essen, noch sich anziehen oder sich waschen. Seine Sprache reduziert sich auf wenige Worte oder geht ganz verloren.
Die Symptome können am besten im Zusammenhang mit einer Stadieneinteilung verstanden werden - frühes, mittleres und spätes Stadium:
Frühes Stadium
Vergesslichkeit
Die Vergesslichkeit betrifft vor allem das Speichern von neuen Informationen. Abmachungen werden nicht eingehalten, Gesagtes bleibt nicht im Gedächtnis. Bei entsprechenden Hinweisen reagiert der Demenzkranke verletzt, aufgebracht oder misstrauisch.
Wortfindungsstörungen
Auffallend sind umständliche sprachliche Formulierungen, Umschreibungen von Gegenständen, deren Namen entfallen sind, Sätze, die nicht zu Ende gesprochen werden. Es gibt Demenzkranke, die bereits in diesem Stadium sehr wortkarg werden.
Örtliche Desorientierung
Die örtliche Desorientierung wirkt sich vor allem in einer nicht vertrauten Umgebung aus, z.B. in den Ferien. Das Hotelzimmer wird nicht mehr gefunden oder der Demenzkranke kann sich anhand eines Stadtplanes nicht mehr orientieren.
Zeitliche Desorientierung
Die zeitliche Desorientierung betrifft vor allem Datum und Uhrzeit. Dies führt zu Verwechslungen. Termine werden nicht eingehalten, zur falschen Zeit oder mehrmals wahrgenommen.
Als Folge dieser Symptome fallen viele Demenzkranke in eine geistige Passivität. Sie zeigen kein Interesse mehr, resignieren und verlieren Initiative und Motivation, sie leiden unter Ängsten und/oder Depressionen. Andere schimpfen mit ihren Nächsten, schieben diesen die Schuld zu.
Die körperliche Aktivität hingegen nimmt zu: Demenzkranke werden unruhig, können nirgends lange sitzen bleiben, müssen dauernd etwas tun und in Bewegung sein. Will man ihren Bewegungsdrang eindämmen, lehnen sie sich dagegen auf.
Mittleres Stadium
Die Krankheit schreitet fort, und die Situation für den kranken Menschen wird auffallender und einschränkender.
Vergesslichkeit
Die Vergesslichkeit betrifft nun auch Namen vertrauter Personen und Ereignisse aus der Gegenwart. Der Kranke vergisst zum Beispiel, ob er gegessen oder sich gewaschen hat, oder ob ihn jemand besucht hat.
Sprache
Die sprachlichen Schwierigkeiten nehmen zu; sich verständlich auszudrücken wird immer weniger möglich, und es kommen Schwierigkeiten beim Sprachverständnis hinzu. Das führt dazu, dass ein Demenzkranker eine Anweisung zwar hört, aber nicht versteht, was die gesagten Worte bedeuten.
Praktische Fähigkeiten
Alltagsverrichtungen wie sich Waschen, Ankleiden, Essen usw. können nur noch im Beisein der Pflegenden und unter Anleitung ausgeführt werden. Dies geht aber nur, solange der Kranke die Anleitung versteht.
Örtliche Desorientierung
Die örtliche Desorientierung betrifft nun auch die vertraute Umgebung. Das bedeutet, dass der Kranke sich verirrt und in der Wohnung z.B. die Toilette nicht mehr findet.
Zeitliche Desorientierung
Zur Desorientierung beim Datum und Uhrzeit kommt nun die Desorientierung bei der Jahreszeit hinzu.
Situative Desorientierung
Situtationen können nicht richtig eingeschätzt werden. Alzheimerkranke im Spital können z.B. glauben, sie seien im Restaurant oder auf dem Bahnhof. Sie verhalten sich dementsprechend.
Viele alzheimerkranke Menschen werden in dieser Zeit von Wahnvorstellungen und Halluzinationen geplagt, d. h. sie sind überzeugt, dass sie bestohlen oder bedroht werden, oder sie sehen Menschen, die nicht anwesend sind, oder hören Stimmen und Geräusche.
Die Unruhe kann sich in ziellosem Umherirren äussern, viele Menschen mit Demenz verlassen ihr Zuhause und finden den Heimweg nicht mehr.
Das mittlere Stadium ist gemäss Aussagen von pflegenden Angehörigen punkto Dauer und körperlicher Belastung am schwierigsten zu bewältigen.
Spätes Stadium
In diesem Stadium kommen körperliche Beeinträchtigungen dazu. Sie führen zu einer allgemeinen Schwäche und Anfälligkeit des Kranken für Infektionen (grippale Infekte, Lungenentzündungen, Infekte von Nieren und Blase usw.), die zu den häufigsten Todesursachen zählen.
Vergesslichkeit
Die Vergesslichkeit betrifft nun auch das Langzeitgedächtnis. Der Kranke reagiert immer weniger auf Personen, Geschichten, Lieder aus der Vergangenheit.
Sprachverlust
Die Sprache beschränkt sich auf wenige, einzelne Worte, die scheinbar zufällig über die Lippen kommen, oder auf ein Aneinanderreihen von Silben. Viele Kranke verstummen im Verlauf dieses Stadiums.
Wahrnehmung
Nun werden auch vertraute Personen oft nicht wieder erkannt. Der Demenzkranke hat Schwierigkeiten beim Verstehen und Interpretieren von alltäglichen Begebenheiten.
Probleme beim Essen und Trinken, Schluckstörungen
Die Bandbreite der Probleme beim Essen beginnt schon beim Erkennen der Nahrung als solche. Auch das Öffnen des Mundes, das Kauen der Nahrung und deren Hinunterschlucken wird immer schwieriger. Dies führt zu Hustenanfällen und zu Aspiration (wenn z. B. bei Hustenanfällen Gase oder Fremdkörper eingeatmet werden und in die Luftwege gelangen), was eine Lungenentzündung zur Folge haben kann.
Sturzgefahr
Der Gang wird kleinschrittig und unsicher. Dies führt immer öfter zu Stürzen, die Verletzungen und Knochenbrüche zur Folge haben. Viele demenzkranke Menschen verbringen mit der Zeit ihre Tage im Rollstuhl oder werden bettlägerig.
Verlust der Kontrolle über Darm und Blase
Während im mittleren Stadium die Inkontinenz mit regelmässigem Toilettentraining hinausgezögert werden konnte, ist dies nun im späten Stadium nicht mehr möglich.
8.9.2006
zurück