Yverdon-les-Bains, den 11. Juni 2010
Demenz, eine immer grössere Herausforderung
Die vom BFS veröffentlichten Zahlen zum Gesundheitszustand der Betagten über 65 Jahre in Institutionen sind ein erster Schritt in die richtige Richtung. Denn es braucht Zahlen und Informationen für eine dringend notwendige Schweizer Demenzpolitik. Ziel einer solchen Politik ist, eine für alle Beteiligten optimale Betreuungs- und Behandlungsform zu finden. Dies fordern auch die NR J.-F. Steiert und R. Wehrli in ihren beiden Motionen „Steuerbarkeit der Demenzpolitik“.
Die Schweizerische Alzheimervereinigung ist erfreut darüber, dass das Bundesamt für Statistik in seiner Erhebung der Demenz eine besondere Aufmerksamkeit schenkt. Gemäss Kernaussage des BSF sollen „zwei von fünf Betagten an einer Demenz leiden “.
Die tatsächlichen Zahlen sind höher
Die vom BFS präsentierten Zahlen lassen aufhorchen, sind allerdings nach Ansicht der Schweizerischen Alzheimervereinigung zu tief. Denn sie erfassen nur diejenigen Personen, die tatsächlich eine Demenzdiagnose haben. Daneben gibt es - wie auch die nationale Umfrage der Schweizerischen Alzheimervereinigung aus dem Jahre 2004 gezeigt hat - eine Reihe von Fällen, die nicht diagnostiziert sind, also eine er-hebliche Dunkelziffer. Beginnende Demenz wird nicht sofort erkannt und für Kranke, die schon im Pflegeheim leben, erscheint eine Diagnose als nicht unbedingt notwen-dig - die Person wird ja schon betreut. Die Schweizerische Alzheimervereinigung geht bei ihren eigenen Berechnungen vorsichtig geschätzt von rund 50% demenzkranker Heimbewohner aus, es gibt aber auch Hinweise darauf, dass der Prozentsatz teilwei-se 60 bis 70 % erreicht.
Die Anzahl demenzkranker Menschen wird drastisch zunehmen
Die Schweizerische Alzheimervereinigung schätzt, dass in der Schweiz heute rund 102'000 Menschen mit Demenz leben, davon etwa 40% in Heimen und 60% zu Hau-se. Bis zum Jahre 2050 wird sich die Zahl der Demenzkranken verdreifachen –weil die Bevölkerung immer älter wird. Und dazu wird es immer mehr allein lebende alte und sehr alte Personen geben, die an Demenz erkrankt sind. Auf diese Herausforde-rung muss reagiert werden.
Es braucht mehr alternative Leistungen und Wohnformen
Heute gibt es für Demenzkranke einerseits die Betreuung zu Hause mit mehr oder weniger Hilfe durch Spitex und Entlastungsangebote sowie das Pflegeheim. Um der steigenden Nachfrage zu genügen sollten einerseits für das Verbleiben zu Hause bedarfsgerechte Leistungen zur Verfügung stehen, andererseits Zwischenlösungen für Menschen mit Demenz gefunden werden, die zwar das tägliche Leben nicht mehr meistern können, aber noch nicht in ein Pflegeheim eintreten müssen. Eine Möglich-keit ist die Schaffung von betreuten- in die Gesellschaft integrierten- Wohngruppen, wie sie z.B. Schweden erfolgreich eingeführt hat.
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