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Behandeln

Bis heute lässt sich Demenz in den allermeisten Fällen nicht heilen und auch nicht längerfristig aufhalten. Es gibt jedoch verschiedene Therapien, die helfen, die Selbstständigkeit der Betroffenen länger zu erhalten und die Symptome der Demenz zu mildern. Dies wiederum wirkt sich positiv auf die Lebensqualität der Betroffenen, Angehörigen und Betreuenden aus. Der Krankheitsverlauf ist individuell sehr unterschiedlich. Zuverlässige Prognosen sind nicht möglich.

 

Man unterscheidet zwischen medikamentösen und nichtmedikamentösen Behandlungen. Die beiden sollten soweit möglich kombiniert eingesetzt werden.

 

Medikamentöse Behandlungen

Zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit werden Medikamente eingesetzt, die im Gehirn die Übertragung der Informationen zwischen den Nervenzellen erleichtern. Sie können die Hirnleistung vorübergehend verbessern oder eine Verschlechterung derselben verzögern. Dadurch können die Betroffenen länger selbstständig sein. Die Medikamente haben zudem eine mildernde Wirkung auf die Begleitsymptome der Demenz im Bereich des Verhaltens und der Stimmung, was die Lebensqualität von Kranken, Angehörigen und Betreuenden verbessert. Die Medikamente sind umso wirksamer, je früher sie eingesetzt werden. Es gibt aber auch Formen von Demenz, die auf diese für Alzheimer entwickelten Medikamente nicht ansprechen. Nach neuen Behandlungen wird weiterhin intensiv geforscht.

Arzneimittelinformationen sind hier zu finden: www.swissmedicinfo.ch

 

Nichtmedikamentöse Behandlungen

Der progressive Verlust ihrer früheren Fähigkeiten ist für Menschen mit Demenz schmerzlich. Er kann zu Gereiztheit, Wut, aber auch zu Niedergeschlagenheit und sozialem Rückzug führen. Mit nichtmedikamentösen Therapien kann man dem Risiko der Isolation entgegenwirken und das Selbstwertgefühl stärken. Therapien helfen, den Tag zu strukturieren, wirken stimulierend und kontaktfördernd. Sie müssen den Bedürfnissen und Fähigkeiten des Kranken angepasst sein.

Es gibt viele nichtmedikamentöse Therapien und Beschäftigungen, die sich in Inhalt und Form unterscheiden, wobei das Angebot je nach Region anders ist. Im Folgenden wird bloss eine Auswahl solcher Therapien erwähnt:

 

Kognitive Interventionen

Gedächtnistraining eignet sich vor allem für Kranke mit einer leichten Demenz, die noch relativ unabhängig sind und nur punktuell Hilfe benötigen. Gedächtnistraining wird von speziell ausgebildeten Fachleuten durchgeführt und soll dem Kranken helfen, seinen Alltag länger selbstständig zu bewältigen. Zu den weiteren kognitiven Interventionen zur Stützung der kognitiven Fähigkeiten und der Selbstständigkeit gehören das Realitäts-Orientierungs-Training (ROT), das kognitive Training sowie Ergotherapie zur Unterstützung der alltagspraktischen Fertigkeiten.

 

Psychotherapeutische Interventionen

Psychotherapeutische Angebote können in schwierigen Momenten des Krankheitsverlaufs unterstützend wirken, so etwa für Menschen mit beginnender Demenz  oder für pflegende Angehörige. Einzel- oder Paargespräche mit einer Fachperson oder Familientherapie können helfen, mit einer ausweglos erscheinenden Situation besser zurechtzukommen.

 

Körperorientierte Interventionen

Dazu gehören viele bewegungsfördernde Therapien wie Rhythmik, Tanzen, Physiotherapie, Massagen u.ä. Sie sind wertvoll, da sie zugleich stresshemmend und mobilitätserhaltend wirken und körperliche wie psychische Symptome lindern können.

 

Musische und kreative Interventionen

Zahlreiche Therapieansätze wie Musiktherapie, Maltherapie, Kochtherapie, Tanz, Theater, Biografiearbeit, Reminiszenztherapie usw. versprechen durch kreative Prozesse Entspannung, Ausgleich und Freude und helfen weiter mit, die Mobilität zu erhalten.  

 

Betreuung und Begleitung

Damit Menschen mit Demenz am Alltag bestmöglich teilhaben können, ist es sehr wichtig, ihnen auf familiärer, nachbarschaftlicher und freundschaftlicher Ebene entgegenzukommen. Gerade wenn die Person schon mehr Unterstützung nötig hat als bei Krankheitsbeginn, sind solche Angebote sehr wertvoll – auch für pflegende Angehörige, denen sie eine kleine Auszeit bieten können. Die folgenden Aktivitäten sind nicht im strikten Sinn nichtmedikamentöse Therapien, sondern eher alltägliche Beschäftigungen, die Geselligkeit fördern:

 

Freizeitaktivitäten, Sport und Geselligkeit

Training nicht um des Trainings willen, sondern weil es Spass macht! Menschen mit Demenz haben Gefühle und können trotz der Schwere ihrer Situation Freude empfinden. Zusammensein, Singen, Turnen, Wandern, wenn möglich mit Gruppen, in welche die Person schon vor ihrer Krankheit integriert war, das tut gut! Menschen mit Demenz brauchen Menschen! Bei einer leichten Demenz können Betroffene sich solchen Tätigkeiten oft auch selbstständig und unbegleitet anschliessen.

 

Spielen

Viele demenzkranke Menschen haben Freude am Spielen. Bekannte Spiele wie «Eile mit Weile», Halma, Jassen, Würfelspiele, Tastspiele, Musikspiele, Tischkegeln usw. sind ideal und wecken Erinnerungen. Spielen ist eine gute Möglichkeit zur Stimulation und Förderung der Kommunikation.

 

Spazierbegleitung

In einer Phase, in der demenzkranke Menschen motorisch sehr unruhig sind, kann es hilfreich sein, mit ihnen regelmässige Spaziergänge zu machen. Damit die Hauptbetreuenden ein wenig Zeit für sich gewinnen, wäre es gut, wenn Freunde oder Bekannte diese Aufgabe regelmässig übernehmen könnten. Oft werden Spaziergänge auch durch spezialisierte Betreuungsdienste angeboten.

 

Alltagsbezogene Aktivitäten zur Stützung der vorhandenen Fähigkeiten :

Begleitung und Unterstützung beim Kochen, Einkaufen, Haushaltführen usw.

 

Stimmungs- und Verhaltenssymptome erkennen und behandeln

Neben Gedächtnisproblemen treten im Laufe einer Demenzerkrankung häufig sogenannte Begleitsymptome auf. Dazu zählt man Symptome, die die Stimmung und / oder das Verhalten betreffen. Man nennt diese auch psychologische - und Verhaltenssymptome (englische Abkürzung: BPSD). Zu den Stimmungssymptomen gehören z.B. Angst, Unruhe, Niedergeschlagenheit, depressive Zustände, Schlaflosigkeit, zu den Verhaltenssymptomen Reizbarkeit, Aggressivität, Bewegungsdrang, Wahn und Halluzinationen. Für die Angehörigen sind gerade diese Symptome besonders schwierig zu ertragen. Bei der Behandlung dieser Begleitsymptome können nichtmedikamentöse Therapien sehr wirksam sein und die Symptome mildern. Hingegen ist eine medikamentöse Behandlung wegen des hohen Nebenwirkungsrisikos generell problematisch. Sie muss unter haus- oder fachärztlicher Begleitung stattfinden. Die Begleitsymptome der Demenz haben Tendenz, nach einer gewissen Zeit von alleine zu verschwinden.

 

Körperliche Krankheiten erkennen und behandeln

Wie wir alle können Menschen mit Demenz auch von vielen weiteren Krankheiten betroffen sein. Dazu rechnet man relativ banale Störungen wie etwa eine Erkältung, aber auch schwere lebensbedrohende Situationen. Die Betroffenen sind oft nicht mehr in der Lage, Schmerzen zu erkennen oder darüber zu reden. Das ist sogar dann der Fall, wenn sie noch relativ gut sprechen können. Oft äussern sich Unwohlsein und Schmerzen in einem veränderten Verhalten, etwa Unruhe oder Appetitlosigkeit. Manchmal macht es den Anschein, als habe sich die Demenz rapide weiterentwickelt. Eine gute Beobachtung ist wichtig. Die richtige Diagnose und Behandlung bringt für Kranke und Angehörige grosse Erleichterung. Dies gilt selbst für ansonsten unbedeutende körperliche Störungen.

 

Juni 2015